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Ratgeber: Die beste Milchnahrung für Ihr Baby finden

Die Natur hat eigentlich perfekt vorgesorgt: Auch über die Schwangerschaft hinaus können Mütter ihre Babys ernähren – über die Muttermilch bekommen diese alles, was sie in den ersten Lebensmonaten brauchen. Sie ist perfekt auf die Babys abgestimmt, und wenn das Stillen klappt, können sich alle sehr glücklich schätzen: Muttermilch ist die beste, natürlichste und auch günstigste Nahrung für Babys, im Idealfall stehts verfügbar und „trinkfertig“.

Doch was tun, wenn es mit dem Stillen einfach nicht klappt?

Natürlich ist Stillen besonders in den ersten 6 Monaten das Beste für Babys, und wir ermutigen Sie, dem Stillen eine Chance zu geben. Ihre Hebamme oder Stillberaterin kann Ihnen viele Tipps geben, um den Einstieg zu erleichtern und sie zu unterstützen.

Aber unsere Lebensumstände sind leider nicht immer besonders still-freundlich, und manchmal klappt es trotz allem guten Willen und harter Geduldsproben einfach nicht mit dem (alleinigen) Stillen. Machen Sie sich deswegen keine Vorwürfe und lassen Sie sich auch kein schlechtes Gewissen einreden! Sie sind trotzdem eine wundervolle Mutter, die allerbeste für Ihr Kind. Und Sie können ihm genau so viel Liebe und Geborgenheit schenken, wenn es das Fläschchen bekommt. Aber wenn Ihr Leben einen „Plan B“ erfordert, dann sollte dieser natürlich möglichst gut sein.

Milchnahrung – die Unterschiede erklärt

Natürlich wollen alle Eltern nur das Beste für Ihre Kinder. Bei der Wahl der Milchnahrung ist das besonders wichtig, aber gar nicht so leicht, wenn man kein Ernährungswissenschaftler ist. Wir helfen Ihnen, die Unterschiede zu verstehen und aus dem Angebot für sich die beste Wahl zu treffen.

Schritt 1: Die richtige Stufe wählen

Mit jedem Tag wachsen Babys und entwickeln sich in einem rasenden Tempo. Auch ihr Verdauungssystem und der Nährstoffbedarf verändert sich. Darum gibt es für jede Entwicklungsstufe die passende Sorte Milchnahrung:

  • PRE- oder Anfangsmilch (meist durch die Ziffer „1“ gekennzeichnet): von Geburt an geeignet.
    Diese speziellen Säuglingsanfangsnahrungen sind auf das noch nicht ausgereifte Verdauungssystem der Neugeborenen ausgerichtet und als alleinige Nahrung geeignet, wenn nicht gestillt wird. Sie enthalten als einziges Kohlenhydrat Lactose, also Milchzucker, und gelten daher als der Muttermilch am ähnlichsten. Sie sind sehr dünnflüssig und können nach Bedarf gefüttert werden, eine Überfütterung ist praktisch nicht möglich.
    Achtung: Viele Firmen haben neben einer „echten“ Anfangsmilch auch 1er Nahrungen im Sortiment, die zusätzliche Kohlenhydrate – meistens Stärke – enthalten. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist das für Neugeborene nicht empfehlenswert, achten Sie auf die Auswahl eines Produktes, das nur Lactose enthält.
  • Folgemilch (Stufe 2): Ab 6 Monaten.
    Prinzipiell spricht nichts dagegen, bis zum Ende des Flaschenalters bzw. bis zur Umstellung auf Familienkost bei einer Anfangsmilch zu bleiben. Mit 6 Monaten bekommen Babys in der Regel schon Beikost, und wenn Ihr Baby ein guter Esser ist, wird es darüber mit vielen zusätzlichen Nährstoffen und Energie versorgt. Doch wie oft landet mehr Brei neben als im Baby… und wenn Ihre kleine Raupe Nimmersatt sehr aktiv ist, aber ihren Bedarf noch zu einem guten Teil über die Milch deckt, dann kann es sein, dass sie ständig Hunger anmeldet. Ein Wechsel auf eine Folgemilch der Stufe „2“ kann dann sinnvoll sein. Diese sind auf den erhöhten Nährstoffbedarf der älteren Babys angepasst und enthalten neben der Lactose ein zusätzliches Kohlenhydrat (meist Stärke, oder besser noch: einen bereits heruntergebrochenen Bestandteil davon, Maltodextrin), das inzwischen auch gut verdaut werden kann.
    Obwohl sie nicht unbedingt mehr Kalorien enthalten, sind Folgemilchen dadurch ein wenig sämiger und sättigen besser, da sie ein wenig langsamer verdaut werden. Mit vollem Bauch ist die Welt natürlich schwer in Ordnung, und viele Babys schlafen auch besser durch, wenn sie nicht ständig Hunger haben. Achten Sie allerdings auf die Angaben der Hersteller bezüglich Alter, Trinkmenge und Dosierung. Manche Hersteller haben auch verschiedene Stufen von Folgemilch, die sich aber kaum unterscheiden.
  • Kleinkindmilch: Ab einem Jahr
    Mit etwa einem Jahr essen die meisten Kinder schon „wie die Großen“, bekommen die normale Familienkost angeboten, und auch gegen Kuhmilch ist nun eigentlich nichts mehr einzuwenden. Achten Sie bei normalen Kuhmilch(-produkten) jedoch auf die Verzehrmenge, denn ein Übermaß kann aufgrund des hohen Proteingehaltes sonst schnell die Nieren belasten. Mehr als 300-330 ml pro Tag sollten es nicht sein (inklusive Quark, Käse, Joghurt… Achtung: schon 15 g Hartkäse oder 30 g Weichkäse entsprechen etwa 100 ml Milch!) Auch der sonstige Nährstoffbedarf, insbesondere Vitamin D und Eisen, müssen im Auge behalten werden, denn Kuhmilch ist in ihrer Zusammensetzung nicht auf die Bedürfnisse von Kleinkindern abgestimmt. Darum gibt es angepasste Milchnahrung der Stufe „3“ oder sogenannte Kindermilch – sicher kein Muss, aber hilfreich besonders bei schwierigen Essern, um eine optimale Nährstoffversorgung sicherzustellen. Kristallzucker oder Aromen haben aber in Kinderprodukten nichts zu suchen. Achten Sie darauf, dass Sie eine Marke verwenden, die auf solche unnötigen Zusätze verzichtet.

Schritt 2: Inhaltsstoffe-Check

Auch wenn gewisse Mindeststandards gesetzlich vorgegeben sind, gibt es große Unterschiede zwischen den verschiedenen Angeboten. Leider hinkt die Gesetzgebung auch immer ein wenig der Forschung hinterher, so dass zum Beispiel immer noch kein DHA in Anfangsmilch vorgeschrieben ist, obwohl sich die Wissenschaft hier ausnahmsweise absolut einig darüber ist, wie wichtig dieser Stoff für die Gehirnentwicklung ist. Da hilft nur eins: Selber schlau machen, eigene Prioritäten setzen, Produkte vergleichen und dann entscheiden. Hier verraten wir Ihnen, worauf es zu achten gilt.

  • Die Basis – die Milch macht’s!

In der Regel wird Milchnahrung aus Kuhmilch hergestellt und an die Bedürfnisse von Menschenkindern angepasst. Dazu muss z.B. der Proteingehalt reduziert, die Proteinzusammensetzung verändert und der Gehalt verschiedener Mineralstoffe angepasst werden. Hierfür werden Molkenerzeugnisse eingesetzt, die reich an dem weichen, leicht verdaulichen Molkenprotein (whey) sind, aber kein Kasein (das schwerer verdauliche Milchprotein) enthalten. Die Molke kann entweder als komplett entmineralisiertes Molkenpulver bzw. Molkenproteinkonzentrat zum Einsatz kommen – wie der Name schon sagt gehen dabei alle anderen Nährstoffe aus der Milch verloren – oder man schont die natürlichen Nährstoffe. Hersteller, die Wert auf Natürlichkeit legen, setzten auf ein nur teilweise entmineralisiertes Molkenpulver: Dabei wird nur weggenommen, was zu viel ist, und wertvolle Mineralstoffe, Carotinoide und Vitamine aus der Milch erhalten. Diese müssen dann nicht künstlich zugesetzt werden. Ein Blick auf die Zutatenliste gibt hier schnell Aufschluss.

  • Omega 3 und Omega 6: Essentielle Fettsäuren / LCP

Bestimmt haben Sie schon von Omega 3 Fettsäuren gehört, die für uns alle gut sind – aber besonders für die Entwicklung von Babys sind diese unentbehrlich. Da der Körper sie nicht selbst herstellen kann, müssen sie über die Nahrung aufgenommen werden. Die essentiellen Fettsäuren Linolsäure und α-Linolensäure sind als Inhaltsstoff für Milchnahrung vorgeschrieben. Anders sieht es leider (noch) mit den langkettigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren (kurz LCP oder LCPUFA = long chain polyunsaturated fatty acids) aus. Die wichtigsten Vertreter der LCPUFA sind die Arachidonsäure (AA) und die Docosahexaensäure (DHA). In der Muttermilch sind sie natürlich enthalten, denn es sind wichtige Bausteine für die Entwicklung des Gehirns sowie der Nerven- und Sehzellen. Auch hochwertige Milchnahrungen setzen es direkt zu – nicht nur die Vorstufe α-Linolensäure (ALA), die der Körper erst mühsam (und leider nicht besonders effizient) selbst zu DHA umbauen muss. Bis neue Vorschriften in Kraft treten und den Zusatz in Milchnahrungen zur Pflicht machen dauert es aber noch eine Weile - Darum: Achten Sie bei Ihrer Wahl der Milchnahrung auch heute schon darauf, dass DHA enthalten ist.

Auch bei der DHA-Quelle gibt es Unterschiede. DHA ist z.B. in Mikroalgen enthalten, diese werden von Fischen gefressen und reichern sich darin an. Ebenso können sich aber auch Schadstoffe und Schermetalle anreichern, weshalb das günstige und daher oft verwendete Fischöl nicht optimal ist. DHA, das direkt aus Mikroalgen gewonnen wird, ist hingegen besonders rein und auch nachhaltiger, da keine Fische gefangen werden müssen.

  • Nucleotide

Erinnern Sie sich an den Biologieunterricht und daran, woraus unsere DNA besteht? Nein? Oder vielleicht den Film GATTACA? Genau: die Nucleotide Adenin (A), Thymin (T), Guanin (G) und Cytosin (C), die in unterschiedlichen Sequenzen und Anordnungen zusammengesetzt unsere gesamte Erbinformation codieren und somit die Grundbausteine unserer DNA und jeder Körperzelle sind. Diese Bausteine sind nicht nur an der Reifung des Verdauungstrakts beteiligt und unterstützen die LCP-Bildung, sie helfen auch dabei, Antikörper schnell zu bilden und stärken so die Immunabwehr. Erwachsene Menschen sind in der Lage, genügend dieser Bausteine selbst zu bilden. Babys wachsen jedoch in den ersten Monaten so schnell, dass der Körper mit der Produktion dieser Bausteine kaum hinterherkommt und auf eine Zufuhr aus der Nahrung zurückgreifen muss. Muttermilch enthält daher Nucleotide. Ebenso sind diese in besonders hochwertigen Milchnahrungen zugefügt.

  • Pre/Präbiotische Inhaltsstoffe

Präbiotika unterstützen eine gesunde Darmflora – doch wie genau funktioniert das eigentlich? Im Prinzip sind es Ballaststoffe (komplexe Kohlenhydrate wie zum Beispiel Galactooligosaccaride (GOS)), die wasserlöslich, aber unverdaulich sind. Sie regen damit die Darmtätigkeit an und dienen den dort ansässigen „guten“ Bifido- und Milchsäurebakterien als Nahrung. Je mehr diese gesunden Bakterien wachsen, desto weniger können krankmachende Bakterien sich ausbreiten. Die Verdauung läuft so leichter, und eine intakte Darmflora wird gefördert, was wiederum der Immunabwehr nützt.

  • Probiotische Inhaltsstoffe

Probiotika sind lebende Milchsäurebakterien, genau solche, die man sich in einer intakten Darmflora wünscht und deren Wachstum durch die Präbiotika gefördert wird. Sie sollen über den Zusatz zur Nahrung direkt im Darm angesiedelt werden – ob das aber wirklich langfristig funktioniert ist noch umstritten. 

  • Zusatzstoffe

Schließlich gibt es noch die unerwünschten Zusatzstoffe, die eigentlich nichts in Milchnahrung verloren haben. Dazu zählen zuallererst Süßungsmittel wie Zucker (außer der Milchzucker/Lactose) oder Glukosesirup, und natürlich Aromastoffe. Diese sind absolut unnötig und sollten vermieden werden.

  • Bio oder Konventionell?

Eins ist klar: am natürlichsten und umweltverträglichsten ist selbstverständlich Muttermilch. Kein Ersatzprodukt kommt ohne den Zusatz z.B. von Vitaminen aus, die eigentlich immer aus konventioneller Produktion stammen, und viele sehr wichtige Stoffe, die in Muttermilch vorkommen und zugesetzt werden sollten, gibt es gar nicht in „bio“.

Bei der Milch ist solche aus biologischer Landwirtschaft selbstverständlich besser für die Umwelt. Bei der Qualität, insbesondere in Bezug auf eventuelle Rückstände oder Belastungen, gibt es aber keinen Unterschied, da die Vorschriften für Milch zur Produktion von Milchnahrung extrem streng sind – genauer genommen sogar strenger als die Bio-Richtlinien.

Bio oder konventionell – hier gilt es also abzuwägen, was Ihnen wichtiger ist, und auf welche Zusätze sie bereit sind zu verzichten, um eine Bio-Milch zu bekommen.

 

Fazit: Die Qual der Wahl

Die eierlegende Wollmilchsau, das ist und bleibt natürlich Muttermilch, da kann keine Ersatznahrung mithalten. Trotzdem gibt es mehr oder weniger gute Alternativen. Bei den Bio-Nahrungen fehlen zum Beispiel grundsätzlich die Nucleotide, aber wenigstens in Puncto DHA haben Hersteller wie Hipp und Toepfer aufgeholt. Im konventionellen Bereich hat man hingegen leider oft sehr hochverarbeitete Produkte – Hersteller wie Natamil zeigen aber, dass es auch anders geht und sich hochwertige und natürliche Rohstoffe mit den Errungenschaften der Wissenschaft kombinieren lassen.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Informationen geholfen haben, die Unterschiede besser zu verstehen.

Bei all diesen Überlegungen sollte aber natürlich nicht vergessen werden, dass jedes Baby einzigartig ist und die individuelle Verträglichkeit einer Milchnahrung allerhöchste Priorität hat.

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